Irgendwann schaffe ich es auch mal ein Bild dazu zu machen, aber wie eine EQ-6 aussieht wissen ja die meisten.
Aber wie alles im Leben, so sind auch hier die "inneren Werte" ausschlaggebend. MCU ist das Zauberwort (einfach mal nach Rajiva und MCU googeln!). Naja, neues Fett, Schneckeneinstellung und all das elektronische Teufelszeug aus dem MCU machen die Monti...zumindest... brauchbar.
Eigentlich ganz gut brauchbar...meistens...oft..manchmal!

Nur mal so nebenbei: Ich habe bisher vier EQen optimiert. Aus dem was ich da aus den Montis rausgeholt habe, könnte man sich glatt eine Neue giessen lassen: Wolldrähte, Späne bis zum Abwinken, ausgerissene Gewindegänge und sogar 2mm starke Aluplatten. Neben den unausweichlich festgewummerten Schräubchen..je kleiner desto gewummerter..unrunden Fräsungen und gewalttätig angeknallten Lagern, ganz zu schweigen von festgeklebten Schrauben und martialisch angezogenen Imbusschrauben in den Schneckenzahnrädern, ist die Monti eigentlich ganz ok.

Mal eine Frage:
Bauen die Monti grobmotorisch veranlagte Reisbauern, oder wer wird hier vereimert?

Leute, eine Montierung soll ein Präzisionsinstrument sein...oder so ähnlich!

Aber schaut man bei den 5mal so teuren Montis auch genau hin, kann man nur sagen: Qualität muss hart erstritten werden...in diesem unserem Lande!
Der Kulturschock

Ich will es kurz machen: Ich habe ihn bekommen, den berühmten Kulturschock.

Nach meiner letzten EQ-6-Operation hatte ich die Schnau..e aber soetwas von gestrichen voll, daß bei mir ein Plan reifte. Und wenn bei mir ein Plan reift, will er gut durchdacht, genauestens recherchiert und bestens vorbereitet werden. Naja....will....

Na jedenfalls habe ich einen Händler auf dem linken Fuss erwischt, und er hat mir eine LOSMANDY G11 für über 1000Euro billiger angeboten als am 19.11.07 üblich.

Zugeschnappt!

Wer jetzt weiterlesen will, braucht etwas Zeit, denn die Geschichte ist etwas länger...und ich habe mich schon kurz gefasst!

Zusammenfassung: Im Zeitalter der GOTO-Teleskope erscheint die G11 altbacken. Ist sie auch! Sie ist eine altbackene Version der Vorstellung, daß eine Montierung eine Maschine sei, die den Bedürfnissen angepasst werden muss um ihren Job zu machen. Daher der Verzicht auf alles "moderne", Minimalismus pur. Aber verdammt gut durchdachter Minimalismus. Sie wirkt auf mich geradezu puristisch im Vergleich zu Spielekonsolenmontierungen ala Vixen oder "Ich brauch mich nicht auskennen zu müssen"-Teleskope. Aber ich würde sie nur Leuten empfehlen, die ein Arbeitsgerät suchen, nicht denen die eine Unterhaltungsmaschine wollen! Hart, aber gemein!
First Light

Es musste ja irgendwann mal soweit sein, die G11 bekommt ihre erste Nacht unter Sternen. Es war der 11.12.07, in Sonsbeck am Niederrhein war recht ordentliches Wetter. Nachdem ich mich also mit dem Aufbau der G11 vertraut gemacht hatte, wollte ich an diesem tag nur einer Befürchtung entgegen treten, die da hieß: Hab ich eine MurksMonti oder nicht.

Ich sattelte also meinen Newton auf, ließ aber das Leitrohr erst einmal weg. Ich wollte die Monti nur laufen lassen und sehen wie sie sich verhielt. Allerdings reichte schon hier das eine mitgelieferte 10Kg-gewicht nicht aus, sodaß ich in RA ein ziemliches Übergewicht auf Seiten des Teleskops hatte. Und ich hatte total vergessen das Teleskop gerade auszurichten, wodurch ich mir noch einen zusätzlichen Fehler eingehandelt hatte. So ganz nebenbei, der Polsucher der G11 ist sowas von Klasse, da sind die Sterne nadelfeine Pünktchen. Das führte auch dazu, daß ich erst 1/2h den Polstern suchen konnte, zumal er immer im Blickfeld war. Aber ich hatte einen hellen Klecks als Polstern erwartet, kein APO-ähnliches Pünktchen.
Ich ließ die Monti also sowohl im Zenit auf 17P-Holmes als auch auf M42 im Orion einfach laufen. Fazit: nach 5min. fast runde Sterne in beiden Objekten, wobei sich im Orion natürgemäss der DEC-Fehler massiver auswirkte. Es waren kleine Eier, aber um Längen besser als alles was ich vorher bei EQ-6en gesehen hatte.

Dann habe ich mal grob ausgenordet und ebenfalls 8min auf M42 lazfen lassen. Das Resultat sollte den PEC zeigen...sinus in seiner feinsten Art. Kein gezappel, keine schnellen Ausbrücke, nichts, nur ein reiner Sinus , den ich aber noch nicht ausgemessen habe. Er scheint aber recht klein zu sein, vermutlich deutlcih unter 10".

Der 13.12.07 war als zweiter Härtetest geplant. An diesem tag wollte ich das Guiding-Verhalten testen.

Also diesmal wurde exakt aufgestellt und per Polsucher eingenordet (auch der 2.Stern traf die virgesehene Lücke, sodaß ich eine gute EInnordung annehmen durfte). Schon beim Guiden fielen zwei Dinge auf:
1. Die Einnordung mit den zwei Sternen ist so gut, daß Korrekturen in DEC nur ganz selten gemacht werden mussten.
2. Mit zuwenig Kontergewichten ist die RA etwas anfällig, aber trotzdem kommt die Abweichung so langsam, daß man sie im Fadenkreuz (900mm-Refraktor mit GA-4 und 5mm-Vixen-Oku) erst sehr spät bemerkt. Das führt dazu, daß der Stern relativ lange seine Photonen auf den Chip schicken kann, bevor man korrigiert. So sind Eier unausweichlich! Zusätzlich reagiert die RA in einer Richtung verlangsamt, was eine einseitige Ei-ausbildung der Sterne fördert.
Aber eines kann man jetzt schon ganz sicher sagen: Mit ausreichend Gegengewichten, gut auslbalanciert und vielleicht noch den PEC trainiert, wird guiden langweilig!
Das ganze Verhalten der G11 deutet auf eine hochwertige Montierung hin, die, so wie es bisher aussieht, auch über einen geringen, regelmäßigen und "zackenfreien" PEC verfügt. Brennweiten, deutlcih über 2m sollten keinerlei Problem darstellen.
Nebenbei bemerkt, ist die G11 im Aufbau etwas aufwendiger, aber im handling excellent. Die Rutschkupplungen tun ihren Dienst und man hat das Gefühl, auch mal ruppig am Teleskop zerren zu können, ohne das sichirgendwas verstellt.

Mein Urteil bis heute: Top, das ist genau die Monti die ich wollte: simpel, effektiv, genau und ohne elektronischen Schnickschnack.
Nachteil: Ohne GOTO ist Starhopping angesagt oder man bemüht sich mit den Teilkreisen.

Also, wie gesagt, bei mir reifte ein Plan, der hieß: Eine neue Monti der Mittelklasse musste her.
Das.....ist leichter gesagt als getan.

Nach gründlicher Recherche in der "Bis 4000 Euro-Klasse" reduzieren sich die Wahlmöglichkeiten drastisch. Aber zuerst kommt mal der Forderungskatalog:

1. die Verarbeitung MUSS extrem viel besser sein als bei China-Montierungen.
2. die Tragkraft muss deutlich über der der EQ-6 liegen
3. der PEC nuss den der EQ-6 wie einen Wacheldackel aussehen lassen (unter 10" ist anzustreben)
4. Preisobergrenze 4000 Euro
5. GOTO kann, muss aber nicht

Was einem als erstes Auffällt ist, daß es drei Preisgruppen gibt: bis 1600 Euro, meist Chinaware, bis 4000 Euro und über 6000 Euro. In Letzterer hat man Auswahl bis zum umfallen, in ersterer nur die EQ-6 und die Sphinx, die aber viel weniger trägt, und in meiner Zielpreisgruppe genau 3 Montierungen.

G11 von Losmandy, CGE von Celestron und ALTER-D6 von Intes Micro.
Dazu muss man sagen, daß die CGE im Prinzip von der G11 abstammt und umgestylt wurde. Konstruktiv und sind sie aber ähnlich. Anders die ALTER-D6, die auf der ATLUX von Vixen basiert und mit 40Kg Tragkraft etwas aus der Reihe tanzt (G11 und CGE  30Kg).

Die ALTER ist eine feine, genaue Montierung schwerster russischer Panzerbautradition. Nur mit dem Service und der Lieferbarkeit hapert es bei den Russen ganz gewaltig. Vorteile sind desweiteren eine komplett eingebaute Elektronik, kein Kabelsalat sowie ein extrem massives Stativ. Allerdings ist die Standardversion mit 3800 Euro nicht wirklich billig und ob die Elektronik "deutsch" versteht, wage ich zu bezweifeln.

Die G11 sieht gegen die ALTER geradezu klapperig aus. Auch sie ist mit Listenpreis um 3200 Euro im Nov. 2007 für die Standardversion nicht gerade billig. Nachteilig sind auch die abstehenden Motoren und die recht zahlreichen Berichte zu "Macken" der G11. Allerdings muss man sagen, daß das was im Netz steht, oft auf ältere G11-Modelle bezogen ist (schlechte Schnecke, Polachsenspiel, Hurst-Motörchen usw), doch dazu später. Insgesamt hatte ich eher ein schlechtes Gefühl.

Bleibt noch die CGE, die als komplettes System mit GOTO usw. geliefert wird. Ausschließlich positive Berichte und gute Daten machen die Monti wahrlich begehrenswert.

SO, und jetzt schalten wir mal unser Gehirn ein!


Hier stimmt doch was nicht! "Ausschließlich positive Berichte"? Keine Daten zum PEC, keine kleinen Macken, das Teil muss doch perfekt sein, und soetwas gibt es nicht. Das machte mich stutzig.
Zuerst mal ist bekannt, daß die CGE von der CI700 abstammt, die wiederum ein Nachbau der G11 ist. Also müsssen an der CGE zumindest ähnliche Probleme auftreten, zumal die CGE auch eine Monti aus Massenfertigung ist.
Und bohrt man mal bei Händlern nach, stellt sich heraus, daß die Elektronik auffallend häufig spinnt. Dann hat die Monti keinen Polsucher, d.h. wenn die Chips revoltieren ist Schluss, kein Einnorden mehr möglich. Dazu kommt, daß die CGE in Deutschland völlig überteuert ist, die kostet in den USA mehr als 1000 Euro weniger.

Aber warum ist die G11 von Losmandy so ins Gerede geraten? Nun, das Konzept ist eigenwillig. Zudem wurde viel über die Fehler der G11 berichtet, u.A. folgende: Der PEC lag bei weit über 20" und die Polhöheneinstellung war sehr schlecht einzustellen. Zudem machten die verbauten HURST-Motoren echte Probleme, denn die waren von einem Billighersteller...und genauso in der Qualität. Extrem Ärgerlich, zumal diese Monti auch weit über 3000 Euro in der Standardversion kosten sollte. Kein Wunder, daß die modellgepflegte CGE da ein weit besseres Bild machte.

Nun ist Scott ein Mensch, der auf Kritik reagiert. Seit etwa 2003-2004 werden ausschließlich Präzisionsschnecken eingebaut und für ältere Modelle diese Schnecken für 50US$ zum Austausch geliefert (PS: fragt mal bei Celestron nach einer neuen Schnecke...wenn sie überhaupt eine liefern können). Losmandy gibt den PEC der neuen Schnecken mit 5" an, was ja nun wirklich nicht schlecht ist. Die Polhöhenachse wurde durch eine zweite ausseraxiale Klemmschraube fixiert, was viele Benutzer schon im Selbstbau gemacht haben (Loch und ein gewinde rein, fertig).
Und die HURST-Motoren können jetzt in Spielzeugautos ihren Dienst tun, Losmandy setzt neue SAJA-Motoren ein. Und die laufen rund und ruhig!
Bleibt noch ein Losmandy-typisches Problem. Die Justage der Schnecke ist eine Qual, da keine Justageschrauben vorhanden sind. Einfach losschrauben, an das Schneckenrad drücken und anziehen kann es ja nicht sein...oder doch. Mnachmal ist weniger mehr!

Na wie dem auch sei, zu diesem Zeitpunkt stand eines fest: Man muss Kompromisse eingehen. CGE mit überbezahltem Goto, eine G11 mit so vielen kleinen Mängeln oder eine ALTER-D6 und eine Verstärkung der Bodengruppe in meinem Auto. WAS tun?

Und dann kam ein Angebot eines Händlers herein, daß meine Zweifel beiseite wischte:

G11, Standard für 2150 Euro!...also über 1000 Euro unter dem Listenpreis, 300 Euro teurer als Eigenimport aus den USA, knapp 2000 unter der CGE. Ich entschied mich, die 2000 zur CGE zu sparen und versuchte es mit der G11. Schließlich tummeln sich davon ja ein paar hundert in Deutschland und warscheinlcih einige tausend in den USA. Und da sind ein paar, leicht behebbare Mängel durchaus in Kauf zu nehmen. Was allerdings extrem ärgerlich ist, ist das wuchermässig überteuerte GOTO für die G11...2000 Euro..da spinnt doch wer gründlich. Aber egal, wenn Goto wichtig wird, kommt Anand Rajivas Littlefoot dran...für 200 Euro!

2 Tage später war sie da, meine G11.

Und beim Auspacken stellte ich schon eines fest: Für etwas über 2000 Euro hast Du da aber ein feines Stück Metallarbeit bekommen. Das Finish ist absolut edel, glatt, keine Grate, keine Kanten, nichts! Und alles dreht sich leicht und problemlos. Nur die abstehenden Motoren machten mir Kopfzerbrechen. Ich hatte zwar die Alukappen bestellt, wusste aber nicht was ich da tat. Zuerst eines mal vorweg: unter 4mm macht Losmandy schon mal gar nichts. 4mm Wanddicke bei den Kappen und 4mm dicke Motorauflageplatten...was bitte soll da noch abbrechen? Dann das Stativ...Maschinengewehrstand ala USA. Das wackelt nicht mal bei Dauerfeuer! Interessant sind die Stativbeine. Die sind am Ende einfach abgeschrägt und offen. Da kann doch Dreck eindringen! Das ist aber Murks...meint der Astronom!

Und letztendlich der Montierungskopf selbst: Da ist keine überflüssige Schraube dran, da sitzt alles mit Null Spiel...fast alles...die Schnecke schlabbert!

Ich habe mich erdreist und die G11 gleich mal auseinander genommen. Klinisch rein, nicht ein Fussel vorn irgendwas in der Monti. Und alles passt wie Ars.. auf Eimer! Herrlich, welch ein Kontrast zur EQ-6.
Und was das Dollste ist, je mehr man drüber nachdenkt, desto besser wird das Losmandy-Konzept: Einfach, wirkungsvoll und stabil.
Nehmen wir als Beispiel mal den optionalen Polsucher. Das Teil ist sauteuer, aber soetwas von gut...man muss ihn gesehen haben. Warum sollte Scott Losmandy also einen teuren Polsucher mitliefern, wenn die Mehrzahl der amerik. Kunden die G11 sowieso stationär betreibt. Daher ist auch das Stativ etwas fester als notwendig...etwas viel steifer! Und deswegen ist die Elektronik auch nicht eingebaut, da viele Kunden sie über Kurz oder Lang sowieso auswechseln (zugunsten besser auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittener Elektroniken). Auch die Motoren sind deswegen nicht integriert, da diese oft gegen schnellere gesellen ausgetauscht werden...ist so auch viel einfacher. Zudem würde dies nur einen größeren Korpus bedeuten, der wiederum schwieriger sooo steif zu kriegen ist...und damit teurer! Scotts "Steifigkeitfetischismus" sieht man schon an den 3 1/2-Zoll-Klemmen für das Teleskop. Das sintzt auf den großen Platten wie angeklebt. Kein Vergleich zu den meist überlasteten Klemmen und Schienen des Vixen-Systems.
Die Elektronik hat auch alles was man braucht, ausser eine GOTO-Funktionalität. Und das Ganze gibt es in den USA für knapp 2200 Dollar...ich meine: Nicht übel Scotty!

Aber warum ist die Schnecke so schabberig eigestellt, und warum sind die Stativbeine ohne echte Standfläche (also so mit Spitze wie wir das kennen)? Nöö, da kriegt der Gute Scott mal eine email!

Und siehe da, Scott Losmandy antwortete: Die Schnecke ist schlabberig eingestellt, damit sie beim langen Transport nach Europa keinen Schaden nehmen kann. Wäre ja schnell eingestellt. Und die Staivbeine sind aus zwei Gründe "offen". Erstens ergibt das eine größere Standfläche auch auf unebenen oder sandigem oder steingen Boden, und zweitens sind Spitzen zwar schön, aber nicht so effektiv wie sich in den Boden krallende Rohrenden.
Und wegen dem eindringenden Schmutz hätte er da was: Wasser! Im übrigen sei das Stativ genau das was die Reifen am Auto sind, nähmlich die Teile die am meisten dreckig werden. Dann lieber keine versteckten Ritzen, Rillen oder Nischen!

Das hat was! Ich habe nicht mehr weiter gefragt!

Nun, sie steht hier vor mir, meine G11. Und je länger ich sie mir ansehe, desto mehr verstehe ich die Philosophie von Scott Losmandy. Diese Monti ist nicht für jeden geeignet, sie ist kein "Rundumsorglos"-Paket, sondern eine Maschine zum Arbeiten...ok, das wollen nicht mehr wirklich Viele!