G11 goes Littlefoot
Als stolzer Besitzer einer Losmandy-G11 in der Standardversion habe ich mich natürlich oft gefragt, ob die Gemini-Version mit GOTO nicht viel besser gewesen wäre. Naja, wäre sie nicht, denn dann würde ich heute noch sparen. Und so gesehen ist mir eine G11, die ich habe, lieber als ein GOTO das ich vielleicht irgendwann mal haben werde.

Aber, der aufmerksame Leser wird es ja schon mitbekommen haben, ich komme aus dem Stall der EQ-6er. Und klaro, in eine Standard-EQ6 gehört ein MCU-Update.
Und?
Wie und?
Na klappts?
Nöö, funktioniert nur ausgezeichnet!

Die Jahre vergehen und eines Tages steht eine neue Monti zur Debatte. D.h. debattiert wird nicht, nur gefeilscht bis der Azt kommt. Na gut, gefeilscht wurde auch nicht, war gar nicht nötig, aber was soll ich sonst schreiben. Klingt doch langweilig wenn man es so schreiben würdeso: "Dann habe ich mir eine G11 gekauft!"

Also feilsche ich lieber mit mir selbst, debattiere virtuell und schnapp mir so ein Teil.
Wir wollen dabei aber nicht all die Bauchschmerzen vergessen, denn eine G11 ist für Unsereinen nicht gerade aus der Portokasse zu bezahlen.

Hä, jetzt kommt es: Natürlich die Standard-Version, denn das sauteure, völlig durchgeknallte Gemini kann sich der deutsche Programmierer genau dahin schieben wo es beim Toilettengang am meisten stört! Alternativ gäbe es da noch eine FS2, aber...so antike Technik? Naja, wenigstens tut die noch mehr weh, wenn man sie gegen die Gemini austauscht.

Man kennt nämlich eine Alternative, die überhaupt nicht weh tut, und auch dort gar nichts zu suchen hat.

Im anandistischen Rajivaismus, oder war es in rajivaistischen Anandismus nennt man soetwas Littlefoot. Und weil nichts mehr hilft als Power, nennen Insider, also eigeweichte..eingeweihte, das Teil hoffnungsvoll VPower. Klingt wie ein Rasierer, ist nur viel leiser! Und der G11 steht ein wenig Kraft doch zu, oder?

Ok, jetzt ernsthaft: Die Littlefoot Vpower ist eine Steuerung, die man selbst zusammenlöten muss. Dafür kostet sie weniger als 200 Euro und hält Features bereit, die Ihresgleichen suchen. Das wichtigste daran ist aber, man kann sie sich so hinfrickeln, wie man es haben will.

Als ich meine VPower zusammengebrutzelt habe, gab es die Littlefoot Elegance noch nicht, also habe ich mir selbst eine Littlefoot-Vpower-Elegance zusammengeschustert. Ich hatte dazu Gründe:
1: Alle Motorkabel, Handboxkabel, Guiderkabel usw. sollen Westernstecker sein!
2: strikte Trennung von Steuerung und Handbox
3: Menütaster soll eingebaut werden
4: JogShuttle-Schalter für die Bedienung der RA und DEC-Motoren sollten es schon sein
5: Alle notwendigen Verbindungen sollen eigene Steckerbuchsen bekommen.
und noch ein paar Kleinigkeiten.

So, fangen wir mal einfach an.

Also ich habe mir das Littlefoot-Zeug bestellt und angefangen alles zusammen zu löten. Und wie es bei mir eher typisch ist, mache ich natürlich Schusselfehler. Als da wären:

Die Stiftleisten für das Display auf die falsche Seite gelötet und den IC7 falsch gepolt. Der IC7 hat das überstanden, das Display nicht. Beim Auslöten der Stiftleisten gingen zuerst einige Kontakte flöten, und dann hat es irgendwann das ganze Display selbst gehimmelt. Ok, neues Display bei Reichelt geordert, und siehe da, es funzt! Da ich aber einige Platzprobleme in meinem zu engen Gehäuse nicht in den Griff kriege, und ich nicht noch einmal die Löcher für den Western-Stecker feilen will, habe ich das Display erst einmal ausgebaut. Wer je diese vermalledeiten Westernbuchsen irgenwo einbauen musste, wird meine Pein warscheinlich verstehen. Und wenn nicht...Ignoranten!

In das Gehäuse wurden drei 6er-Westernbuchsen eingelassen. Je eine für DEC-Motor, RA-Motor und ST4-Autoguideranschluss. Die Handbox bekommt eine 8er-Westernbuchse und nach untern wurde die 15polige-Buchse für Updates und Anschluss des PDA gelegt.

Und da das Display nicht mehr eingebaut war, hatte ich a) ein Riesenloch in der Box und b) Platz für ein Batteriepack für den Polsucher. Nun habe ich kein Loch mehr, dafür kann ich die Beleuchtung des Polsuchers in die Box stecken und mit einem Schalter ein/ausschalten. Ein zweiter Schalter schaltet die Steuerung selbst ein bzw. aus.


Klick in das Bild öffnet eine große Version in einem neuen Fenster.

Von links nach Rechts:

RA, DEC, ST4, Polsucher-Beleuchtung Ein/Aus, Steuerung Ein/Aus, Handbox

Der Stöpsel unten Rechts ist die Stromversorgung

Rechts an der schmalen Seite der Box ist der Anschluss an den PC und/oder PDA

Links an der schmalen Seite ist die Buchse der Polsucherbeleuchtung zu sehen

Das Klettband hat eine besondere Funktion. Da kann ich, wenn ich will, eine Plastikkarte anheften, auf der ich mir wichtige Beobachtungshinweise mache. Nur vergesse ich die Plastikkarte immer! Da drunter ist ein Loch, wo mal das Display hin sollte!
Handbox Superior!
Also trenne ich die Taster von der Steuerung. Im Klartext habe ich die gar nicht aufgelötet, sondern auf einer kleinen Platine meine Reichelt-JogShuttle-Taster zusammengebraten. Da alle Taster gegen Masse schalten, brauche ich nur 5 Leitungen zur Steuerung. Die drei restlichen habe ich für den Geschwindigkeitsschalten genutzt. Und der Knopf in der Mitte ist der Menü-Schalter, der keine eigene Leitung barucht.

Einen Vorteil haben die Jogshuttle-Taster. Sie haben einen verhältnismäßig hohen Schaltwiderstand. Nicht so, daß man die Taster im Schweisse seines Angesichts drücken muss, aber auch nicht so wenig, daß man versehentlich die Taster bedient. Die Handbox ist so klein, daß sie fast in der Hand verschwindet..oder in der Jackentasche, wo ich sie immer suche! Das ist fatal, denn wenn man zweimal auf der Suche nach der Box um die Monti rennt, rappelt es...Kabel zu kurz. Kabel sind immer zu kurz!


Mal was zum Lachen!

Der Salat da drin hat mich Tage gekostet das so hin zu bekommen, daß man alle Verbindungen trennen kann. Schon daß einkleben der Buchsen hat mich verzweifeln lassen, aber erst die ganzen Stiftreihen und Steckerverbindungen löten, das war hart.
Die G11 bekommt neue Motoren
Mit den SAJA-Motoren und ihren 1:100-Getrieben läuft bei der Littlefoot nichts. Selbst 16fache Geschwindigkeit quitierten die Motoren mit äusserst seltsamen Geräuschen. Also standen neue Motoren an.

Dabei wollte ich auf ruhigen Lauf und Fotoeignung der Getriebekombination besonderen Wert legen. Und ich habe viel Wert gelegt, geradezu haufenweise!

Mein 1. Versuch bestand darin, mir bei NANOTEC 0.9°-Steppermotoren mit den dazugehörigen 1:24-Planetengetriebe zu bestellen. Das funzte auch verhältnismäßig gut, wenn man den Problemen mit deutscher Flexibilität einmal absieht.

Ok, die Biester wurden geliefert, und ich habe diese gleich mal an die Littlefoot angeschlossen. Nicht das ich ein selsames Gesicht gemacht habe, aber irgendwie war den Motoren kein vernünftiger Lauf zu entlocken. Das Problem war, daß in der Kombination 360er Schneckenrad, 1:24 Untersetzung und 0.9° Schrittwinkel es keine einigermassen lauffähige Einstellung in der Littlefoot gab. Ich hab alles probiert, Motorstrom rauf, alle Einstellungen manipuliert usw. es half nichts.

Geholfen hat Anand, der mir sagte, daß aufgrund meines großen Schneckenrades bei der Getriebeuntersetzung und den Motoren irgendwelche internen Variablen der Steuerungssoftware überlaufen. Wie auch immer, das Setup geht so nicht. Da helfen nur entweder kleinere Getriebeuntersetzungen oder ein 1.8°-Stepper.
Ok, ich will nicht nachtragend sein, aber das hätte er wirklich in der Littlefootbeschreibung erwähnen sollen.

Egal, bei 150 Euro Kosten für die Steuerung habe ich noch gut 1000 gut, da kann ich Motoren und Stepper kaufen, bis ich einen eigenen Stepperladen aufmachen kann.
Also, ich will auf die Getriebe nicht verzichten, denn ich will einen seidenweichen Lauf bei der Fotografie.

Also Nanotec'er, haut mal so ein 1.8er rüber.

Ich habe denen gesagt, als Adaption an die Planetengetriebe.
"Ja, da müssen die Motorwellen abgedreht werden!" Na gut. Aber die Rüstkosten und Lohnstückkosten auf der Rechnung haben mich dann doch gefuchst!

Gesagt, getan, ich hatte abgedrehte Stepper, aber die Ritzel noch auf den anderen Motoren. Conrad hatte da so einen Ritzelabzieher, mit dem gingen die Dinger ab.
ABER: Dreher bei Nanotec sind entweder ewig besoffen, oder verstehen ihr Handwerk nicht. Die Ritzel schlabberten auf den Wellen. Nachgemessen ergaben sich zwischen den Wellenstümpfen der 0.9er und der 1.8er eine Massdifferenz von 2/10mm. Das reicht zum Schlabbern.
Und die Moral von dre Geschicht: Mach es selber wenn es funktionieren soll, oder stell dich direkt daneben. Andernfalls geht das in die Hose!

Also gut, ich habe die Ritzel mit Bombopapp-Kleber aufgeklebt. Hält wunderbar, nur ab kriege ich die nie mehr!

Übrigens, nach Nachfrage, ob den die Ritzel einzeln zu bekommen wären gab es als Antwort: "Nein, die werden nur zusammen mit den Getrieben von unseren chinesischen Herstellern geliefert"

HAAAALLOOOOO, CHIIIIIINNNNAAAAAA?

Da kaufste was bei einer deutschen Firma, und was kriegste: China zum Deutschlandpreis. Ich kann das Wort China nun endgültig nicht mehr hören..endgültig aus die Maus!

Ok, zurück zu den Motörchen. Die 1.8°-Stepper laufen gut, aber nur bis etwa 40fache Geschwindigkeit, danach macht sich die mit 12V zu niedrige Spannung bemerkbar. Ich will aber keine 24V anlegen, denn dann bräuchte ich größere Akkus, und das will ich nicht.
Zudem brauche ich die hohen Geschwindigkeiten nur für das "Positionier-GOTO". Im normalen Betrieb sind 40fach durchaus ausreichend, zumal die Monti jetzt seidenweich läuft.
Man kann natürlich kleinere Getriebe einsetzen, also z.B. 1:12er, aber so wie ich es habe geht es auch.
Die Adaption der Getriebe an die Monti gestaltete sich schwerer als vermutet. Die Adapterplatte war schnell gefeilt und gebohrt. Das war kein Problem. Ein Problem war es diese an die Monti zu tackern.

Nach dem Abbau der alten Getriebe kann man zwar die Platte auf die in der Monti steckenden Schrauben stecken, aber die Gewinde sind zöllig!
Also brucht man zöllige Muttern.
Die Lösung sind die kleinen Verbindungsschrauben, wie sie an typischen Comptersteckern bzw. deren Buchsen vorhanden sind. Da gibt es viele zöllige darunter.

Ein weiteres Problem ist die Kupplung zwischen Getriebewelle und Schneckenwelle. Die Schneckenwelle hat 5mm Durchmesser, die des Getriebes 8. Also brauchte ich neue Kupplungen.
Und nach viel Suche, musste ich doch Oldham-Kupplungen beim Koch bestellen.
DAS allerdings stellte ich mir anders vor.

Die vom Koch in seinen eigenen Adaptionen verwendeten Kupplungen 12mm-Kupplungen passten bei mir nicht, da ich eine 8mm-Welle hatte. Also musste ich die 19.1er-Kupplungen nehmen. Ich habe nachgemessen, sollte klappen. Sollte, heist nicht, daß es auch klappt, ich habe mich vermessen. Wie mir der Messfehler unterlaufen ist, raffe ich bis heute nicht!

Also musste ich die Kupplungen abdrehen. Drehbank issich nicht!
Also eine Aluwelle in die Kupplung gesteckt, an die Standbohrmaschine und drehen lassen. Eine angelegte Feile gibt den Dingern den Rest.

Irgendwie hab ich die Kupplungen dann so hin bekommen, wie sie sein sollten..ab Lieferung!
Komplett aufgebaut sieht das dann so aus:
Weil ich es gerade in dem Bild sehe, die Pfeiffenheinies bei Nanotec haben mir fälschlicherweise die Motoren mit Encoderwelle geliefert.

Auf Nachfrage bekam ich die Antwort: "Sie haben uns ja nicht gesagt das wir die absägen sollen. Die meisten Kunden wollen die Welle dran lassen!"
Und das, wo man die Motoren OHNE Encoderwelle bestellt hat.
Zurückschicken, umtauschen...nee, bei soviel Flexibilität in einem Unternehmen bekomme ich warscheinlich graue Haare!

Haben die ein Glück das München so weit ist!

Aber im Endeffekt ist das sehr praktisch. Man kann seine Jacke dran aufhängen...muss man aber nicht. Noch praktischer ist es aber, wenn man beim Guiden fühlen kann, was die Steuerung gerade steuert. Einfach leicht angreifen und man merkt wie sich die Motoren drehen..und in welche Richtung.
Man muss allem nur etwas Positives abgewinnen!
NACHTRAG

So wie die Steuerbox hier abgebildet ist, existiert sie nicht mehr. Ich weis nicht mehr was mich geritten hat, aber ich ahbe mir eine neue Box gefeilt. Zusätzlich würde darin nun auch der Belichtungstimer und die Stromversorgung für die EOS untergebracht. Die neue Box sieht aber innen genauso aus wie im obigen Bild, also schusselig und randvoll mit Kabelsalat. Aber sie funktioniert, es ist einfach eine Freude!