|
Butter bei die Fische Ok, jetzt wird nicht mehr um den heissen Brei geredet. Jetzt wird Tacheles geplappert. Es gilt für Sie, sich ein paar Fragen zu stellen: 1. Was kann ich maximal ausgeben? 2. Was für ein Typ bin ich? 3. Wie sieht meine Umgebung aus, aus der ich beobachten will? 4. Will ich fotografieren oder nur visuell beobachten. Fangen wir mal mit Frage 4 an. Wenn sie fotografieren wollen, kommt ein weiteres Problem auf sie hinzu. Das Teleskop braucht eine Montierung. Montierungen sind die komischen metallischen Geräte., auf denen das Teleskop ruht. Dieses Achsenkreuz gleicht, wenn mit Motoren ausgestattet, die Erddrehung aus. Dadurch bleibt ein einmal eingestelltes Objekt im Bildfeld, und zwar bis der Strom ausgeht. Das ist auch für die rein visuelle Beobachtung von Vorteil aber verzichtbar. Fotografisch muss das allerdings so genau sein, daß während einer längeren Belichtung von sagen wir einmal 10min. das Licht immer auf dieselbe Stelle in der Kamera fällt. Das klingt leicht, ist aber enorm schwer. Die Präzision der Montierung muss sehr hoch sein, und zudem müssen sie das ganze mit einem zweiten Teleskop, das sich parallel zu dem Aufnahmetelskop befindet (das sogenannte Leitrohr), kontrollieren und notfalls eingreifen (das sogenannte guiden). Die Montierung muss daher sehr stabil gebaut sein und über viel elektronischen Schnickschnack verfügen. Ich will darauf nicht näher eigehen, denn dann dauert es noch weitere 20 Seiten. Zudem muss das ganze genaustens justiert und aufgestellt werden, was einmal erlernt recht simpel ist, aber Zeit beansprucht. Die Montierung verschlingt den Hauptanteil der Gesamtkosten. Für einen 6"-Newton mit Leitrohr und dem ganzen anderen notwendigen Zeug kommen da mal gerne 10Kg zusammen. Die zu wählende Montierung muss somit wenigstens 15Kg Traglast haben, damit sie noch ausreichend funktioniert. Kleine Windstöße werden eine solche Montierung aber schon deutlich in Schwingungen versetzen, sodaß man auf einen windgeschützten Platz angewiesen ist. Ok, hier laufen alleine für die Montierung Kosten von mind. 800 Euro auf, wenn man auf chinesische Produkte zurück greift. Je größer nun das Teleskop wird, desto gewaltiger werden die Kosten für eine Montierung. Für eine gute Montierung im Bereich 8" werden schnell über 1000, für 10" um 3-4000 und für 12" auch gut über 6000 Euro nötig. Es geht in der Regel auch immer eine Klasse darunter, aber dann wird es wie gesagt anstrengend und hibbelig. Aber es geht, wie von hunderten Fotografen bewiesen. Visuelles Beobachten ist wesentlich billiger und stressfreier. Die einfachste Art sich den Kosmos zu gönnen, ist ein sogenanntes Dobson-Teleskop. Das ist ein Newton-Teleskop, das in einer Art Holzkiste ruht. Das geht wunderbar, ist billig und einzig die Nachführung, also den Ausgleich der Erdrotation muss man selber machen. Wir nennen das Nachschubsen, denn das beobachtete Objekt wandert langsam aus dem Blickfeld, während man gemütlich auf einem Hocker in das Teleskop blickt. Zudem ist das Teleskop blitzschnell aufgebaut. Box hinstellen und Teleskop einlegen, fertig. Ein Einsteiger-Dobson-Teleskop kostet für 8" ungefähr 450 Euro und selbst 12" sind für um 1000 Euro zu haben. Wir nennen diese Teleskope auch Lichteimer, denn die Dimensionen eines 12"ers haben schon manchen sprachlos gemacht. Aufwendiger wird es, wenn man sich einen anderen Teleskoptyp ausgesucht hat. Dann wird eine Montierung nötig, incl. dem Transport derselben, genaue Aufstellung usw.. Man kann keine Refraktoren oder Cassegrains in eine Box stellen, denn man muss von unten in das Teleskop blicken. Nebenbei, wird das ganze auch ungleich teurer. WIE SIEHT MEINE UMGEBUNG AUS Wollen sie aus dem Garten beobachten, können sie schweres und unhandliches Equipment anschaffen. Müssen sie immer weit fahren, muss das Equipment der Transportmöglichkeit angepasst sein. Nehmen wir an sie wollen 10" Öffnung haben um Galaxiearme zu sehen und ferne Sterneninseln aufspürem zu können. Dann geht das im Garten ganz locker mit einem Gerät in Volltubusbauweise, auch ein Cassegrain auf Montierung ist möglich, bei genug Geld sogar ein Refraktor. Wenn sie den 10"er aber im Kleinwagen transportieren müssen, dann wäre ein Newton im Truss-Design richtig. Truss-Design heist, daß der Volltubus durch ein paar Aluminiumstangen ersetzt wird. Dadurch ist der Newton auf kleine Transportmaße zerlegbar und in wenigen Minuten aufgebaut. Newton-Teleskope oberhalb 12" werden ausschließlich so gebaut, denn andernfalls würde der Tubus einen LKW zum Transport benötigen. Wie gesagt, auch ein geschickt gebauter 18"er passt in einen Fiat Punto!!! WAS FÜR EIN TYP BIN ICH Es gibt Leute, die wollen nur mal so nebenbei den Mond angucken, vielleicht noch das eine oder andere Objekt in den Tiefen des Weltalls und erfreuen sich an dem Geglitzer der hunderte Sternchen. Für solche Leute wäre ein kleiner Refraktor bis 4" in höchst möglicher Qualität sinvoll. Dann gibt es aber auch Leute, die wollen mehr und mehr sehen. Diesen kann man einen möglichst grossen Newton als Dobson empfehlen. Wieder Andere hassen die Nachschubbserrei, also muss es ein mittelgroßer Newton auf Montierung her. Jetzt finden aber viele Sternegucker das seitliche hineinsehen in einen Newton widerlich, also geht der Weg zum Refraktor oder zum Cassegrain-Teleskop, zumal das auch nicht so sperrig ist. Heutzutage bieten viele Hersteller auch sogenannte GOTO-Systeme an, also computerisierte Teleskope, die auf Tastendruck jedes beliebige Objekt automatisch anfahren. Manche denken: Hinstellen, einschalten und los geht es damit. WEIT GEFEHLT, denn dazu ist eine gewisse Menge Kenntnis des Stzernenhimmels notwendig um das Gerät richtig zu justieren und einzustellen. Viel zu viel Gerödel das ganze, ich brauche was um schnell mal nach Draussen zu gehen und ein bischen rumzugucken. Ok, kleiner Refraktor auf einfacher ALT-AZ-Montierung, im Prinzip nichts anderes als ein Teleskophalter auf Stativ, hoch, runter, links, rechts...so einfach kann beobachten sein, und reisetauglich, da leicht und platzsparend. Nun gibt es eine Menge Leute, die sich mit technischen Sachen etwas schwer tun. Auch Diesen ist Letztere Variante zu empfehlen, da ein Newton ein Mindestmass an technischen Verständnis bei der Justage benötigt. Auch sind Newton immer dafür prädestiniert selbst Hand anzulegen um einfache Verbesserungen zu basteln. Und dann gibt es Leute, die tendieren stark dazu sich nur das beste kaufen zu wollen. Ok, wird teuer aber machbar. Und dann gibt es noch die Unentschlossenen. Das ist die schwierigste Klientel, denn empfiehlt man ihnen ein kleines Telskop, sehen sie nicht das was sie sehen könnten...sie sind enttäuscht. Empfiehlt man ihnen ein zu großes Teleskop, gehen sie nie raus, denn es ist viel zu aufwendig. Ach so, da sind ja noch die Faulen. Ok, die werden selten Astronomen, denn wie schon irgendwo geschrieben: Den inneren Schweinehund überwinden sind 80% der astronomischen Arbeit...ist irgendwie wie im wirklichen Leben. UND JETZT KOMMT DAS SCHWIERIGSTE BEI EINER BERATUNG Alle die oben genannten Menschen können sich ändern. Empfiehlt man dem "nur eben mal Mond Gucker" einen kleinen Refraktor, ist er auf einmal so fasziniert, daß er ein größeres Gerät haben will. Und ich habe den "Schwarzen Peter", falsch beraten! Und deshalb gleich noch einmal eine Warnung: Die ersten 500 Euro sind häufig falsch investiert. Im Falle des empfohlenen Refraktors ist es einfach, denn den kann man immer noch als Reisegerät nehmen oder später als Leitrohr. Bei anderen Teleskoptypen wird es dann schwieriger. Jetzt werden sie sagen, dann ist doch der Refraktor immer die beste Wahl für einen Einsteiger. JA und NEIN. Ja, weil wie oben gesagt, daß Gerät wiederverwendbar ist, unter der Prämisse, daß man sich von Mondgucker zum Deepsky-Fanatiker weiterentwickelt. Nein, weil es für einige unter uns einfach schon am Anfang viel zu klein ist. WAS KANN ICH INVESTIEREN Das entscheidet Vieles. Für Einsteiger mit wenig Geld ist ein kleiner bis mittelgroßer Newton in Dobson-Montierung..also die mit der Box...empfehlenswert. Je mehr Geld, desto höher können die Ansprüche werden. Man bedenke, zu dem Teleskop kommen noch einige Zusatzteile wie Okulare (mind. 3, denn die beim Teleskop mitgelieferten können ersatzlos in die Tonne wandern), eventuell ein Filter und das eine oder ander Buch und die drehbare Sternkarte. Macht zusammen zwischen 150 und 1000 Euro, je nach Geldbeutel. Aber keine Angst, auch für 150 Euro bekommt man gute Sachen, nur muss man wissen welche. Fragen kostet nichts! Refraktoren sind eher Spezialgeräte, entweder für die Fotografie oder für Planetenbeobachtung. Genauso ist es mit den Cassergrain-Teleskopen bestellt. Diese sind zwar etwas universeller, aber auch nicht mal so eben aufgestellt. Der Sondertyp der Cassegrain-Teleskope, die sogenannten Maksutov-Cassegrain, sind Spezialgeräte für Planetenbeobeachtung. Allen Cassegrain-Teleskopen ist die lange Brennweite zueigen. Damit kann man zwar prima vergrößern, aber entsprechend lichtschwach werden die Objekte dargestellt. Man kann mit all diesen Teleskopen beobachten, nur muss man wissen was man wirklich will. Viele Einsteiger besitzen Cassegrain-Systeme, weil kurzbauend und komplett angeboten. Aber genausoviele sind damit überfordert, das nur als kleine Warnung. Sie machen Sinn, aber nicht für Jeden! SCHLUSSWORT Sie haben nun viel gelesen, aber eigentlich immer noch keinen Bestellzettel voll. Das ist auch gut so, denn ich wollte sie nur wachrütteln, ihnen Wege aufzeigen, ihren Instinkt schärfen. Produkte ändern sich, Namen wechseln, aber ein Gespür dafür zu entwickeln, was man will, kann und erreichen möchte, das bleibt. Ich stehe bereit wenn sie etwas wissen möchten, aber wenn sie meine und die anderen HPs durchlesen, werden sie bald verstehen, daß jeder Mensch seine herangehensweise entwickelt hat. Und seine Ansichten über das was gut ist und was nicht. Sie können nun zwischen den Zeilen lesen und verstehen, daß Astronomie keine Regeln hat, ausser Eine: Die Kohle ist wech! Ok, die hat das Finanzamt auch.... | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||