Die Seite für den Einsteiger

Ich wollte eigentlich "Anfänger" schreiben, aber das klingt so herablassend, so abwertend, ja geradezu entmutigend!
Und Falsch ist es obendrein, denn niemand ist Anfänger! Jeder hat schon einmal den Mond betrachtet und ist damit automatisch zum Amateurastronomen geworden. Nur hat es ihm niemand gesagt.

JA, ABER WAS IST EIGENTLICH EIN AMATEURASTRONOM!

Nun, es ist jemand, der neben der Faszination für den Weltraum auch einige Eigenschaften mitbringen muss: Neugier, Geduld, Ausdauer, Willensstärke und Gelassenheit!

Neugier, das liegt doch auf der Hand! Dinge sehen zu wollen, die kaum ein anderer Mensch sieht, Wissen zu wollen, was da noch so alles ist und letztendlich auch Neugier auf das, was man selbst so imstande ist zu vollbringen.

Geduld, weil man dieses Hobby nur dann betreiben kann, wenn es Mutter Natur zulässt. Geduld aber auch, weil bekanntlich aller Anfang schwer ist. Und Geduld mit sich selbst, denn schließlich sind wir keine Alleskönner, sondern müssen vieles erlernen.

Ausdauer, weil man, wenn es Mutter Natur zulässt, auch mal einige Stunden nachts draussen in der Kälte hockt und auf den Erfolg wartet. Erfolg, indem man ein Objekt lange sucht und endlich findet, Erfolg, weil man die schönste Nacht des Jahres erwischt hat und man nun gar nicht aufhören mag im Weltraum rumzureisen. Aber Ausdauer auch, weil man sich mit einem Gebiet beschäftigt, das wahrlich unendlich ist. Unendlich in seinen Möglichkeiten und unendlich in den Anforderungen die es einem stellt.

Willensstärke, weil man den inneren Schweinehund überwinden muss um bei klirrender Kälte die Sterne, Galaxien und Nebel zu beobachten. Aber Willensstärke auch, weil man eben weis, daß der Weg das Ziel ist...und der Weg ist lang!

Gelassenheit, weil Frustration und Misserfolg der Partner des astronomischen Beobachtens sind. Oft, sehr oft kehrt man heim und hat nicht das erreicht, was man sich vorgestellt hat. Ob es nun die Natur oder man selbst war, der einen Strich unter die Rechnung gemacht hat, es ist einfach frustrierend.

KERL, WIE BEKLOPPT MUSS MAN SEIN UM DANN SOETWAS ZU MACHEN?

Ziemlich, das ist sicher! Aber wenn ich es mir genau betrachte, sind es die Augenblicke im Leben, wo alles passt, die einem unvergesslich ins Gehirn gebrannt werden. Ob es der erste Blick auf die Ringe des Saturn, die erste Galaxie, der erste Nebel oder der erste Kugelsternhaufen ist, man vergisst das nie!
Was dabei mit einem geschieht beschreibt der unter Astronomen beliebte Ausdruck "Astrovirus" vortrefflich. Man ist krank, unheilbar krank! Man kann einfach nicht genug davon bekommen. Man will immer weiter und tiefer in den Weltraum vordringen, ob nun mit dem Auge oder der Kamera, das ist für mich das Gleiche!

ABER, ICH VERSTEHE IMMER NOCH NICHT WAS DARAN SPANNEND SEIN SOLL SICH PÜNKTCHEN ANZUGUCKEN

Spannend? Naja, eigentlich ist es nicht wirklich spannend! Aber eigentlich ist es genau das, was Astronomen daran schätzen, es ist eben nicht spannend, gehetzt, vom Leistungswahn getrieben, sondern erholsam und ausgleichend...so die Theorie! Aber es ist spannend auf unsere Art. Schaffe ich es heute NGC-2403 zu sehen, bekomme ich die gescheit aufs Bild, klappt der Krempel den ich mir da zusammengebastelt habe und das Wichtigste: bleibt es klar oder kommen Wolken?
Ich dachte anfänglich...einsteigerlich...och, da biste ja schnell durch. Die hundert Messier-Objekte machste doch an einem Abend. Nun, davon kenne ich bis heute nur die Hälfte, dafür einige hundert NGC,IC,UGC usw. -Objekte. Kennen? Nein, ich habe mal einen Blick drauf geworfen, denn kennen heist intensiver zu beobachten...immer wieder. Man entdeckt immer wieder neue Details an den Objekten, dringt tiefer vor und so vergehen schon mal einige Jahre, bis man ein Objekt sozusagen "abgearbeitet" hat...bis zum nächst größeren Teleskop.

Ach, und was die Lichtpünktchen betrifft, kann ich nur eines sagen: Wer einmal einen Kugelsternhaufen wie M13 im Okular gesehen hat, der sagt soetwas nicht mehr. Und wer einmal dabei war, wie der Nordamerikanebel regelrecht aus dem Nichts "herausgearbeitet" wurde, der versteht auch das Wort spannend ab jetzt anders. Und wer einmal 15min. hinter einem Teleskop sass und die Belichtung kontrollierte (wir sprechen von guiden, dazu später mehr), der weis was Spannung heist, wenn er die Belichtung beendet und wartet bis die Kamera ihr Geheimnis preis gibt. Und wer dann mit einer Kamera voll Bilder nach Hause kommt, weis wie lange Nächte werden können, um das Optimum aus seinen Bildern zu holen.
Nicht spannend...ok, kein Mord, keine Ballerrei oder andere fiese Möppesse, nur Lichtpünktchen........